Als Versicherungsfall wird auch in der Pferdehaftpflichtversicherung ein der Assekuranz gemeldeter Leistungsfall bezeichnet. Damit ist noch nichts über das Ergebnis gesagt. Der gemeldete Versicherungsfall kann nach näherer Prüfung sowohl abgelehnt als auch anerkannt werden. Als Versicherungsnehmer seiner Pferdeversicherung, die auch Reiterhaftpflicht genannt wird, hat der Tierhalter einige Verpflichtungen gegenüber seiner Assekuranz.

Die Situation ist in mancherlei Hinsicht mit der eines Verkehrsunfalls vergleichbar. Hier werden von den Unfallteilnehmern umsichtige Vorsichtsmaßnahmen am Unfallort erwartet. Ähnlich ist es bei einem solchen Versicherungsfall im Rahmen der Pferdehaftpflicht, der ebenfalls mit einem Personen- oder auch Sachschaden verbunden ist. An oberster Stelle stehen die Erstversorgung möglicher Verletzter sowie das Einfangen des Pferdes. Das ist oftmals nicht aus eigener Kraft möglich. In diesem Fall muss die Polizei alarmiert werden. Sie übernimmt ab Kenntnisnahme die Koordination sowie die Verantwortung für den weiteren Verlauf. Je nach Schadens-/Versicherungsfall darf sich der Pferdehalter nicht von der Unfallstelle entfernen, wenn damit die Aufnahme eines polizeilichen Protokolls verbunden ist. Ansonsten werden gegenseitig die Personalien ausgetauscht.

Der Pferdehalter muss den Versicherungsfall zeitnah, das heißt möglichst schnell seiner Versicherung melden. Als Erstinformation sind ein Telefonat oder ein kurzes E-Mailschreiben ausreichend. Über das Telefongespräch sollte eine Notiz mit Namen des Gesprächspartners sowie mit Datum und Uhrzeit gefertigt werden. Jetzt kommt der Versicherungsfall buchstäblich ins Rollen, der Versicherer wird von sich aus aktiv. Der Tierhalter als Versicherungsnehmer bekommt einen Fragebogen als Dateianhang zu einer E-Mail zugeschickt, oder als Briefpost in Papierform. Der Fragebogen ist lückenlos und wahrheitsgemäß auszufüllen, oftmals zusammen mit einer Skizze zum Unfallhergang sowie zur Unfallstelle. Jede weitere Kommunikation und Korrespondenz übernimmt die Versicherungsgesellschaft. Der Pferdehalter sollte sich ab jetzt zurückhalten, also nicht selbst mit „der Gegenseite“ kommunizieren.

Ganz entscheidend für den weiteren Verlauf des Versicherungsfalles ist es, dass der Schadensverursacher, also der Tierhalter beziehungsweise der Reiter, weder mündlich noch schriftlich ein Schuldeingeständnis abgibt, und dass auch keinerlei Entschädigungszahlungen angeboten werden. Der Pferdehalter muss wissen, dass er gesetzlich nach § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches BGB zum Schadensersatz verpflichtet ist. Die Pferdeversicherung ersetzt ihm denjenigen Schaden, der durch den Versicherungsvertrag gedeckt ist. Eine vorzeitige oder auch falsche Entschädigungszusage sorgt für Rechtsunsicherheit; sie lässt sich oftmals nur unter großen Schwierigkeiten revidieren oder zurücknehmen. Für die Pferdehaftpflicht ist der Versicherungsfall ein Leistungsfall gemäß dem abgeschlossenen Vertrag. Das ist in der Regel kein Problem, muss aber dennoch in jedem Einzelfall geprüft werden.

Ab dem Moment der Schadensmeldung tritt der Versicherer an die Stelle des Pferdehalters als Schadensverursacher und Versicherter. Für den handelt es sich „um ein schwebendes Verfahren“, zu dem er nichts sagen kann und braucht. Das verstehen alle Beteiligten und Betroffenen. Der Tierhalter hat natürlich ein Interesse daran zu erfahren, wie seine Pferdehaftpflichtversicherung den Versicherungsfall beurteilt. Das erfährt er oder der von ihm beauftragte Rechtsanwalt direkt beim Versicherer. Der hat auch Kontakt zum Unfallgeschädigten und reguliert den Versicherungsfall direkt. Mit alldem hat der Pferdehalter nichts mehr zu tun.

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